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Sonntag, 13. Juli 2008

Freiwillige Feuerwehren trainieren vermeintliche Explosion bei der Firma Wabco

Verzögert begann am Freitagabend eine Übung mehrerer Abteilungen der
Freiwilligen Feuerwehr bei Friedrichsfeld. Auf der Anfahrt entdeckten die
Friedrichsfelder Feuerwehrleute ebenso wie die Besatzung eines Notarztwagens der
Johanniter-Schnelleinsatzgruppe nämlich einen verunglückten Motorroller-Fahrer,
der gestürzt war. Während sich die Feuerwehrmänner um den ausgelaufenen
Kraftstoff kümmerten, fuhren die Johanniter den Verletzten ins Krankenhaus - die
nur geschminkten "Verletzten" der Übung mussten warten.

"So muss es sein,
flexibel und schnell geholfen", lobte Thomas Schmitt, der Kommandant der
Mannheimer Feuerwehr, die Mannschaft - und er äußerte sich auch mit dem späteren
Übungsszenario zufrieden. "Es war phantastisch gut gemacht." "Die wissen, was
sie tun", meinte Schmitt anerkennend.

Als Gastgeber fungierte gerne die Firma Wabco Radbremsen, 1913 unter dem Namen
Fulminawerk gegründet und lange auch unter "Perrotbremse" bekannt. Der
traditionsreiche Hersteller von Druckluft-Scheibenbremsen für Nutzfahrzege
beschäftigt in Friedrichsfeld auf einem ausgedehnten Gelände 370 Mitarbeiter.
Herzstück ist eine Härterei, deren zwei Öfen mit 1100 Grad betrieben werden.
"Wenn es Gefahrenpotenzial gibt, dann hier", so Werkleiter Christian Sinn. Auch
das fast durchweg unterkellerte Firmenareal sei "nicht unkritisch", sagte Gunter
Wiedemann von der Wabco-Betriebsfeuerwehr. Sie umfasst 15 - sonst in der
Produktion tätige - Männer, trainiert alle vier Wochen. "Aber es ist natürlich
besser, mal richtig groß üben zu können", ergriff Wiedemann gerne die Chance.
Beschäftigte des Betriebs machten dabei ebenso gerne mit wie zwei Mitglieder der
Jugendfeuerwehr. Sie mimten "Verletzte", von Maren Schwerdtner, stellvertretende
Kommandantin der Freiwilligen Feuerwehr, Neckarau, mit täuschend echt
aussehenden Brandwunden geschminkt. Sechs solcher "Verletzte" gab es bei einer
Explosion in der Härterei, so das Szenario, das Marcus Behlau, Kommandant der
Abteilung Friedrichsfeld der Freiwilligen Feuerwehr, seine Männer sowie die
Kräfte aus Neckarau und Seckenheim antrafen. Vorsichtig arbeitete sich der erste
Trupp unter Atemschutz in dem mit Disconebel verrauchten Betriebsgebäude vor,
schnell stieß er auch auf zwei "Verletzte". Doch die wiesen auf weitere
"Vermisste" hin, die - teilweise um Hilfe schreiend - in den engen, dunklen
Kellergängen lagen. "Jetzt beginnt die Mangelverwaltung", kommentierte Schmitt
den Übungsverlauf. Um nämlich die Vermissten herausholen zu können, verzichtete
der Einsatzleiter auf den Rettungstrupp, der eigentlich immer parat stehen muss,
wenn Feuerwehrleute unter Atemschutz in ein Gebäude gehen, sondern schickte alle
Mann los. "Das geht kurze Zeit, wenn Menschenleben zu retten sind, ist aber
nicht ungefährlich und zeigt, welcher Personalmangel am Anfang an jeder
Einsatzstelle herrscht", erläuterte Schmitt. Denn erst als dann auch die
Verstärkung durch Neckarauer und Seckenheimer Wehrleute eingetroffen waren,
konnten alle "Verletzten" betreut, das "Feuer" gelöscht, benachbarte Gastanks
gekühlt werden - ganz wie im Emstfall auch.

Artikel aus Sonntag Aktuell vom 13.07.2008 von Peter W. Ragge